Es gab einen alten Mann, den der kleine Junge immer mit Ehrfurcht und einem Lächeln in Erinnerung behielt: seinen Urgroßvater. Ein großer, hagerer Mann mit freundlichen Augen und einem Humor, der das Herz jedes Zuhörers erhellte. Seine Geschichten, die er mit rauer, doch liebevoller Stimme erzählte, wurden wie Schätze von Generation zu Generation weitergegeben.
Der Urgroßvater hatte früher eine kleine, gemütliche Gaststätte mit einem weitläufigen Biergarten. Hier, unter alten Kastanienbäumen, wo das Sonnenlicht durch die Blätter tanzte und das Lachen der Gäste in der Luft lag, war er nicht nur der Wirt – er war auch ein Teil der Geschichte dieses Ortes. Die Menschen kamen nicht nur wegen des Biers, sie kamen auch wegen des Urgroßvaters, der manchmal selbst sein bester Gast war.
Wenn die Gläser sich häuften und der Tag langsam in den Abend überging, wurde aus dem stillen Mann plötzlich eine lebendige Legende. Dann kam der Moment, auf den alle warteten – der Moment, in dem „Fruasch“ zum Leben erwachte. Mit einem schelmischen Grinsen auf den Lippen holte er seine kleine Blechwanne hervor, füllte sie bis zur Hälfte mit Wasser und stellte sie mitten in den Biergarten, direkt vor einen Tisch.
Die Gäste, die es schon kannten, rückten ihre Stühle näher heran, gespannt auf das, was nun folgen würde. Andere, die zum ersten Mal Zeuge dieses Schauspiels wurden, blickten verwundert, doch auch neugierig. Der Urgroßvater, nun auf den Tisch gestiegen, hob die Arme, als wollte er das Publikum begrüßen – oder die Sterne. Er hockte sich nieder, ganz als wäre er bereit, eine große Ankündigung zu machen.
Und dann, mit einem breiten Grinsen und leuchtenden Augen, stimmte er sein Lied an:
„Madla mouchst an Öpfelskrapfn,
ouer mouchst an Seidla Bier?
Loss der mol an Oasch napatschn,
oder… ich zerreiß mein Schmeißlein!“
Die Worte hallten durch den Biergarten, und bevor das Lachen der Gäste vollends losbrach, rief er noch lauter, als ob er selbst zum Frosch geworden wäre: „Quak!“ Dann, ohne einen Moment zu zögern, sprang er in die kleine Wanne – das Wasser spritzte hoch, seine langen, hageren Beine wirbelten durch die Luft, und das Lachen der Menschen füllte die Abendluft.
Dieser Sprung, so verrückt er auch schien, machte den Urgroßvater unvergesslich. Die Leute nannten ihn „Fruasch“, den Frosch, und jedes Mal, wenn jemand seinen Namen sagte, schwang ein Lächeln mit, als wäre er noch da, auf seinem Tisch, bereit, in die Wanne zu springen und den Biergarten mit Freude zu erfüllen.
Für den kleinen Jungen war die Geschichte seines Urgroßvaters mehr als nur ein lustiger Moment – sie war eine Erinnerung daran, wie wichtig es ist, das Leben mit einem Lächeln zu nehmen, wie wichtig es ist, manchmal aus der Reihe zu tanzen und andere mit Freude und Spaß zu erfüllen.
Der Urgroßvater „Fruasch“ war vielleicht groß und hager, doch in seinem Herzen war er leicht wie ein Frosch, der durch den Sommerregen springt – immer mit einem Lied auf den Lippen und einem Sprung ins kühle Wasser.